Ratgeber für den richtigen Berg- und Wanderschuh
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Berg- und Wanderschuhe

Welcher Schuh für welche Tour

Die Qual der Wahl

Wer sich heutzutage einen Wander-, Trekking- oder Bergschuh zulegen möchte, hat definitiv die Qual der Wahl. Das Angebot an Schuhen ist wirklich beeindruckend. Es gibt nicht nur sehr viele Hersteller, auch für jeden Einsatzbereich bietet jede Marke gleich mehrere Schuhmodelle an. Deshalb ist es wichtig sich vor dem Schuhkauf ein paar Fragen zu stellen, um die Auswahl grob einzugrenzen.
Die Schuh Kategorien A - D (s.u.) sollen helfen die Schuhtypen zu klassifizieren und die Einordnung zu erleichtern, wobei die Übergänge der Einteilung natürlich fließend sind.

FAQ - Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen

1. Habe ich den richtigen Schuh für die geplanteTour?

Bei unseren geführten Wanderungen findest Du unter dem Reiter Ausrüstung immer eine Schuhempfehlung. Grundsätzlich muß eine Tour als gesamtes betrachtet werden und die Schuhe müssen natürlich so gewählt sein, dass sie auch noch auf den schwierigsten Passagen ein sicheres Gehen erlauben. Das ist manchmal nicht ganz einfach zu beurteilen, natürlich hängt es auch immer von den Verhältnissen ab. Was am Vormittag noch mit einem leichten Hiking Schuh geht, kann am Nachmittag nach einem ergiebigen Regenguss unmöglich sein.

2. Kunstfaser oder Leder, was ist besser?

Sicherlich spielt neben der Passform vor allem der Einsatzbereich und das Gewicht eine entscheidende Rolle. Da gibt es große Unterschiede bezüglich der verschiedenen Materialien. Lederschuhe haben mehr Gewicht und müssen zudem eingelaufen werden. Das kann länger dauern und ist u. U. mit Schmerzen verbunden. Dafür bietet der Lederschuh ein angenehmes Fuß-Klima, ist sehr robust und nach der Einlaufphase wahrscheinlich sehr bequem. Leder verlangt regelmäßig Pflege, wenn ein Lederschuh mal richtig nass wird, bekommt man ihn in einer Hütte nur schwer wieder tocken.

Viele Bergschuhe sind deshalb heute aus Kunstfasern, wie z. B. Codura in Kombination mit wasserdichten, atmungsaktiven Membranen, meist Gore-Tex im Innenschuhbereich gefertigt. Diese Schuhe sind leichter und müssen nicht oder kaum noch Eingelaufen werden. Der Schuh sollte deshalb von vornherein perfekt passen. Natürlich können diese Schuhe bei Nostalgikern nicht punkten, denn rein optisch haben sie mit dem klassischen Wanderstiefel von einst nicht mehr viel gemeinsam. Aus unserer Sicht ist das aber der einzige Nachteil.

3. Welche Schuhe kann man mit Steigeisen verwenden?

Es gibt inzwischen Schuhmodelle, die ein breites Spektrum von Einsatzbereichen abdecken. Deshalb macht es durchaus Sinn, sich bereits als Einsteiger zu überlegen, ob man sich nicht gleich für einen bedingt steigeisenfesten (Leicht)-bergschuh aus der Kat. B/C oder  C entscheidet. Diese Schuhmodelle liegen vom Gewicht her kaum über der Kategorie B, haben aber einige Features, die ich vielleicht schon bald sehr schätzen werde. Sei es, dass ein Schneefeld im Frühjahr gequert werden muss oder eine leichte Gletscherwanderung auf dem Programm steht. Auf normalen Wanderwegen ist man mit diesen Schuhen auch sehr gut unterwegs, ohne überdimensioniert aufzufallen. Deshalb empfehlen wir diese Schuhkategorie für viele unsere Touren - zudem, wenn der Schuh einmal passt, bist Du damit für höhere Tourenziele bestens ausgerüstet. Z.B. für Deinen ersten Gletscherkurs oder eine leichte Hochtour. Diese Schuhe finderst du in der Kategorie B/C und C.

4. Woran erkenne ich einen hochtourentauglichen Schuh?

Diese Frage läßt sich leicht beantworten, in dem ich einen Blick auf Ferse und Spitze des Schuhs werfe. Sind dort Kerben für die Aufnahme von Steigeisen vorhanden, ist der Schuh Hochtourentauglich. Auch die Steifigkeit der Sohle ist ein Kennzeichen. Eine eher flexible Sohle ist weniger für das Gehen mit Steigeisen geeignet als eine steifere. Die zweite Frage ist die Isolation und Wasserfestigkeit des Schuhs. Wenn ich den ganzen Tag im Schnee laufen möchte (z.B. Spaghetti Runde) brauche ich eventuell einen wärmeren Schuh, als wenn ich aufs Matterhorn klettern möchte,wo ich mich überwiegend im Fels bewege. Natürlich spielen auch individuelle Unterschiede eine Rolle, Frauen bekommen z.B. meist schneller kalte Füsse. Hochtourentaugliche Schuhe sind fast alle in der Kategorie D, teilweise Kategorie C eingeordnet.

Kategorien für Berg- und Wanderschuhe

Diese Einteilung Kategorie A - D wurde von der Firma Meindl eingeführt und hat sich weitgehend durchgesetzt. Natürlich sind die Übergänge fließend und es gibt noch einige Sondersegmente, wie z.B. sogenannte Zustiegsschuhe. Diese wurden ursprünglich für Kletterer entwickelt, die zum Zustieg an die Felswand einen leichten aber doch gebirgstauglichen Schuh für leichtes Kletter- und Schrofengelände benötigten. Inzwischen ist dieser Schuhtypauch im Alltagsbereich sehr beliebt und das ist nicht verwunderlich. Diese Schuhe sind sehr vielseitig einsetztbar, beispielsweise auch auf dem MTB.

Kategorie A

Leichte Hiking und Lauf- und Freizeitschuhe mit einer flexiblen Sohle und guter Dämpfung, vergleichbar mit einem stabilen Joggingschuh. Routinierte Bergsteiger benutzten diese Schuhe oft auch als Zweitschuh, z.B. für einen Hüttenzustieg oder längere Talwanderungen, wobei dann der schwere Bergschuh am Rucksack befestigt ist. Sonst ein leichter Schuh für gute Wege, Asphalt und Alltag.

Kategorie A/B

Leichte Wanderstiefel sind i.d.R. knöchelhoch haben aber noch keine richtig verwindungssteife Sohle. Der Schuh eignet sich für gut ausgebaute Wanderwege und die meisten Hüttenaufstiege. Kurze schlechtere Wegabschnitte können mit dem Schuh noch begangen werden, wenn der Rucksack nicht allzu schwer ist. Es ist der klassische Schuh für leichte Mittelgebirgswanderungen oder im mittleren alpinen Bereich.

Kategorie B Zustiegsschuh

Zustiegs- oder Approache Schuhe sind für den geübten Berggeher eine gute Alternative. Vor allem Kletterer benutzen gerne diese Schuh. Sie haben eine etwas steifere Sohle als die Hiking Schuh der Kat. A und eignen sich deshalb auch für schlechte Wege. Allerding sollte man beachten, dass die Knöchel nicht geschützt sind und ein Umknicken leichter möglich ist. Auch fehlt ein wichtiger Schutz in Geröll und auf Schneefeldern. Dafür sind die Schuhe leichter und lassen sich beim Klettern im Rucksack verstauen.

Kategorie B

Klassischer Wanderschuh für normale und schlechte Wanderwege, auch mal durch kurze Geröllpassagen oder Grashänge, leichte Trekkingtouren. Die deutlich steifere Sohle und robustes Obermaterial geben dem Bergsteiger Halt und Schutz auf mittelschweren Wanderwegen und leichten Trekkingtouren. Es ist der Allrounder für Wanderungen unter der Schneegrenze und ohne Benutzung von Steigeisen.

Kategorie B/C

Schwerer Trekking- und Bergschuh für lange Wanderungen, Klettersteige, Hochgebirge, auch mit schwereren Rucksäcken. Die Schuhe haben eine steifere Sohlenkonstruktion und sind bedingt steigeisentauglich und für flache Gletscherwanderungen zu gebrauchen. Schuhe dieser Kategorie eignen sich am Besten für die meisten Wanderungen und Klettersteige in den Ostalpen, solange Du dich hauptsächlich in felsigem Gelände bewegst.

Kategorie C

Jetzt geht es schon richtig zur Sache. Die Schuhe haben mindestens hinten eine Steigeisenaufnahme und sind besonders für Klettersteige, felsdurchsetztes Schrofengelände, Hochtouren und Gletscherwanderungen geeignet. Mit den Schuhen der Kategorie C bist Du auch in den Westalpen für einige Touren gut ausgerüstet. Das wohl markanteste Unterscheidungsmerkmal zu Schuhen aus der Kat. D ist das Abrollverhalten und die damit verbundene Steigeisenaufnahme. Mit diesen Schuhen läufst Du noch relativ normal, weil die Sohle gut flext, dafür ist der Schuh aber nur für Steigeisen mit sogenannten "Körbchen" geeignet, also zwar Kipphebel hinten, aber vorne keinen Bügel.

Kategorie D

Bergstiefel für den kompromisslosen alpinen Einsatz, schwere Hochtouren in Fels und Eis, Höhenbergsteigen, Spezialdisziplinen, hier gibt es auch nochmals verschiedenste Spezialmodelle, alle diese Schuhe sind voll steigeisenfest und meist auch besser gegen Kälte isoliert. Wer sich für Schuhe in diesem Segment interessiert braucht eigentlich hier kaum Beratung mehr. Der gravierende Unterschied zu allen anderen Schuhen ist die Steifigkeit der Sohle und damit sind diese Schuhe vor allem für anspruchsvolles Klettern mit Steigeisen in Fels, Eis und im Kombigelände gebaut.

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