Skitouren-Tipp im Allgäu - Firngenuß am Hohen Ifen
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Firngenuß am Hohen Ifen, 2.230 m

Skitouren in der Heimat stehen diesen Winter hoch im Kurs. Eine wirklich einmalig schöne Skitour im Allgäu, genauer gesagt im Zollanschluß-Gebiet des Kleinwalsertals möchten wir Euch heute vorstellen. Diese Tour wird auch im Rahmen unserer Führungswochen "Best of Allgäu" oder als einzelne Tagestour angeboten.

Knappe Parkplatzsituation im Walsertal

Bei frühlingshaften Temperaturen starten wir an der Auenhütte, glücklich noch einen der letzten Parkplätze ergattert zu haben. Gerne zahlen wir die 15 Euro Parkplatzgebühr, denn mit dieser Spende finanzieren wir laut dem nicht zu übersehenden Schild an der Einfahrt des Parkplatzes drei ganze Arbeitsplätze in der für Tourismusbetriebe wirklich harten Zeit des Lockdowns. Der eigentliche Parkplatz ist nicht geräumt, bzw. von der Gemeinde gesperrt, um nicht zu viele Tourengeher anzulocken. Der Sinn und die Strategie dieser Maßnahme erschließen sich uns nicht, aber das ist ein anderes Thema. Auf jeden Fall sollte man sehr früh vor Ort sein.

Dafür wartet auf uns heute eine der schönsten Firnabfahrten, die das Allgäu in petto hat. Zunächst geht es ziemlich unspektakulär über die Skipiste und einen Fahrweg durchs Skigebiet bis an die Gipfelstation. Noch ist die Schneedecke hart gefroren und deshalb wählen wir eine etwas längere Route um möglichst bequem aufsteigen zu können.

Plaudender weise erreichen wir in gemütlichem Tempo nach knapp 2 Stunden die Bergstation der Seilbahn. Die meisten Höhenmeter haben wir hier bereits hinter uns, denn wir befinden uns schon auf 2.000 Meter, also nur noch gute 200 Meter unterhalb des Gipfels. In normalen Zeiten kann man sich diesen Aufstieg natürlich sparen und die Seilbahn benutzen, denn jetzt kommt der eigentlich interessante Teil der Tour.

Beginn der eigentlichen Tour

Wir verlassen das Skigebiet und fahren mit den Fellen hinunter in eine große Mulde unterhalb des langen Felsriegels der Nordwand. Jetzt geht es knapp 200 Meter hoch auf das Gipfelplateau. Der Durchschlupf durch die Felsen ist bei den heutigen Sichtverhältnissen leicht zu finden. Die letzten 100 Höhenmeter müssen die Ski am Rucksack befestigt werden und es geht zunächst leicht nach links querend und zum Schluss senkrecht nach oben. Bei eisigen Bedingungen braucht man auf jeden Fall Steigeisen, wir hatten Glück und fanden sehr gute Trittschneeverhältnisse vor und so blieben die Eisen im Rucksack.

Kaum haben wir die Ski wieder an den Füßen stehen wir auch schon vor dem Gipfelkreuz. Die Aussicht ist phänomenal. Von den hohen Allgäuer Alpen im Südwesten bis ins Arlberggebiet schweift der Blick, sogar die Gipfelstation der Valugabahn können wir erkennen.

Nach einer ausgiebigen Rast fahren wir ein kleines Stück an den Südabbrüchen entlang bis wir zu der nicht zu übersehenden Abseilstelle kommen.  30 Meter geht es ziemlich senkrecht hinunter in eine kleine Scharte. Nachdem wir alle wohl behalten wieder festen Boden unter den Füßen haben beginnt der Teil, warum wir uns heute Morgen so früh aus den Federn quälen mussten.

Das Timing ist perfekt. Butterweich ist der Firn und das ist wirklich wichtig bei dieser Tour. Der obere Teil der Abfahrt ist sehr steil und das Gelände ist felsdurchsetzt und teilweise schlecht einsehbar. Bei eisigen Verhältnissen sicher kein Spaß.

Abfahrt im Butterfirn

Wir wählen eine ziemlich direkte Abfahrtslinie aus und der Spaß beginnt. Eigentlich müsste man durchziehen aber die Aussicht ist einfach zu genial und wir halten immer wieder an, um den Augenblick zu genießen. Uns gegenüber liegen die Ifersgundalpe und Schwarzwasserhütte immer noch unter einer meterdicken Schneedecke. 600 satte Meter hat die Abfahrt bis sie in einem kleinen Tal ausläuft. Eine kurze Schrägfahrt nach links und man steht im Latschen Gelände. Zum Glück gab es diesen Winter sehr viel Schnee und wir können ungehindert weitere Soft-Kurven in die Butterfirn legen. Erst im Wald, wo die Sonne den Schnee nicht mehr erreicht ist die Oberfläche etwas vereist. Nach einer weiteren Querung erreichen wir den Boden an der Melköde und auf dem Sommerweg geht’s schnell zurück zum Parkplatz an der Auenhütte.

Gute 5 Stunden waren wir unterwegs und wir bereuen, dass wir keine kurze Hose eingepackt haben. Naja, es ist ja auch eigentlich noch Winter. Nächste Woche soll es wieder kälter werden und angeblich soll es sogar nochmal schneien.

Wir verstauen unsere Ausrüstung im Auto und steuern als nächstes Ziel die Bäckerei in Riezlern an, Cafés und Restaurants haben leider immer noch geschlossen und so gibt es mal wieder nur die „to go“ Variante.

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