Skitouren Norwegen | Geschichten aus den Lyngen Alps
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Geschichten aus den Lyngen Alps

Das Artic Lyngen Sea Camp in Djupvik

Unser zu Hause am Lyngen Fjord

Wann waren wir das erste Mal eigentlich hier frage ich Jens, den Betreiber des Arctic Lyngen Sea Camps. "I think seven years ago, you came here the first time in the old red house" antwortet er. Stimmt, jetzt dient das Haus als Bergführerunterkunft.  Auf den ersten Blick hat sich nicht viel verändert, aber die Zeit ist wirklich schnell vergangen. Aber klar! - natürlich hat sich etwas auffällig verändert am Lyngenfjord. Horden von Skitourengängern sämtlicher Nationalitäten sind hier eingefallen, so als würde es der einzige Fleck auf Erden sein, wo man diesen Sport ausüben kann. Naja, ich kanns gut nachvollziehen denn ich komme auch jeden Winter für ein paar Wochen hierher, die Berge, das Meer und das Licht sind einmalig und kaum mit anderen Gebirgsregionen vergleichbar.

Capppuccino und Elvis

Jens hat sich vor einem Gemälde seines größten Idols aufgebaut und grinst uns an. Dass er auf Elvis steht ist unschwer zu übersehen, denn er trägt immer genau die gleiche Frisur, genau so wie Elvis auf dem Bild. "Do you want a Cappuccino" fragt er in die Runde. Klar,  nicke ich ihm zu, wenn wir nach der Tour auf der Terrasse die Sonne genießen, trinke ich immer Cappuccino ohne Ende, das weiß er genau und hat deshalb dieses Jahr eine Cappuccino Flat Rate eingeführt. Nicht, dass er vorher jeden einzelnen abkassiert hätte, nein der Cappo war letzten Winter noch inkluded,  jetzt kostet er 150 NOK für die ganze Woche, auch ok, halt typisch Jens. Ohnehin könnte man dafür gerade mal zwei Bier trinken.

"Best place at Lyngen Fjord"

Diesen Spruch habe ich bestimmt hundert Mal schon gehört, vor allem wenn es um Preisverhandlungen geht. Naja, im Prinzip stimme ich ihm bei der Aussage zu, nur irgendwann könnte er sich mal was neues einfallen lassen. Nicht weit weg von uns, ca. 1 km steht die berühmte Lyngen Lodge eines Engländers Namens Graham. Er war einer der Ersten, die das Potenzial und die Magie dieses Ortes entdeckten und eigentlich wollte er genau hier, wo wir jetzt den Cappo trinken seine Edel-Lodge errichten. Als das Gerücht die Runde machte wurden die Locals natürlich hellhörig und Jens, dessen Privathaus keine 100 Meter entfernt steht, durchkreuzte die Pläne des Arlberg Ski-Guides. Daraufhin zog sich dieser mit seinen Investoren jenseits der Straße auf eine kleine Anhöhe zurück und welch eine Überraschung, kurze Zeit später begannen Jens und seine Partner mit dem Bau unserer Chalets.

Das Restaurant und die Bar

Jens ist gelernter Koch und stammt von den Lofoten. Er ist einige Jahre auf einem Fischtrawler durch die Nordmeere gecruised und schließlich hier gestrandet. Als ich ihm letztens von unserem Spitzbergentrip erzählt habe, meinte er nur, dass er ein Jahr in dem einzigen Hotel in Ny-Alesund als Koch gearbeitet hat und es keine langweiligeren Menschen gibt als die Wissenschaftler dort. Kann ich mir gut vorstellen. Jens ist ein geselliger Mensch und natürlich trinkt er gerne und viel. Seit 3 Jahren arbeitet Carlos im Restaurant und in der Bar mit Jens zusammen. Carlos kommt aus Andalusien, kam zufällig hier vorbei und ist geblieben, inzwischen hat er sogar eine Teilzeitstelle an der Grundschule und unterrichtet dort die Kinder in Englisch und Mathe. Ich glaube Jens hatte die Idee mit dem Arctic Lyngen Sea Camp nur verwirklicht, weil er eine Bar eröffnen wollte. Das ist in Norwegen nicht so einfach, vor allem wegen der Alkohollizenz. Djupvik hat laut Gesetz zu wenige Einwohner um eine Bar oder Pub zu benötigen.  Jeden Samstag Abend kommt jetzt aber des komplette Lyngenfjord Ostufer hier her und macht Party mit Elvis in der Touristenkneipe. So hat Jens zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, er hat ein Restaurant für seine Gäste und eine Bar für die Einheimischen.

Hand aufs Herz - sind die Lyngen Alps überlaufen?

Wie ist das jetzt mit den Skitouren in den Lyngen Alps? Ist es wirklich so überlaufen wie von vielen behauptet wird?  Ein Indiz für steigende Besucherzahlen sind eindeutig die neu geschaffenen, teilweise gebührenpflichtigen Parkplätze. Also ist es doch besser mit dem Schiff, da ist man unabhängig und die Parkgebühren sind schon im Reisepreis in Form der Hafengebühren einkalkuliert. Ich bewege mich in Lyngen lieber an Land, weil man so flexibler ist und natürlich mehr Komfort hat. Auch bin ich gerne mein eigener Kapitän, suche mir selbst die Tourenziele aus und lege die Essenszeiten fest. Bei den Schiffen im Lyngenfjord kommt es mir manchmal so vor als würden sich die Kapitäne zum Kaffee verabreden und dann ist natürlich halligalli an dem Berg. Wenn ich an einen gut besuchten Parkplatz komme, fahre ich einfach zum nächsten oder übernächsten weiter. Mit richtiger Planung und entsprechenden Gebietskenntnissen ist man sogar in der Hochsaison weitgehenst alleine unterwegs.

Die Ironie des Schicksals

Gnadenlos hat das Schicksal diesen Winter zugeschlagen. Während wir eine der besten Wochen der Saison erlebten, ist der Alpinist und Arzt Elvind Smeland ist bei einem Wächtenbruch in der Nähe des Sulltinden ums Leben gekommen. Der äußerst erfahrene Skibergsteiger und Mitautor des Lyngen Alps Führers hatte, teilweise mehrfach alle Gipfel in den Lyngen Alps bestiegen und es ist umso tragischer, dass ausgerechnet er auf diese Weise sein Leben lassen musste. Wächtenbrüche sind nicht ungewöhnlich in Lyngen und eine der häufigsten Unfallursachen.


 

Perfekte  Schneebedingungen im April

Ab Anfang April herrschten in Lyngen Top-Bedingungen. Es war noch ziemlich kalt, aber die Schneedecke hatte sich schon so weit stabilisiert, dass man auch steile Sachen fahren konnte. Wir erwischten einen traumhaften Start in die zweite April-Woche und waren gleich am ersten Tag ganz allein auf dem komplett jungfräulichen Sorbmegaisa, der nur 5 Minuten von unserer Unterkunft entfernt liegt. Die Abfahrt durch das markante und gewaltige Tal direkt vom Gipfel war der Wahnsinn. 30 cm feinster Powder und wolkenloser Himmel. Da war die Meßlatte für die Woche schon mal ziemlich hoch gelegt, was einen als Bergführer schon etwas unter Druck setzten kann. Der Wetterbericht versprach noch für weitere zwei Tage gute Bedingungen und so waren wir am nächsten Morgen wieder die Ersten auf der Insel Kågen. Nur soviel, wir konnten die Latte noch ein ganz kleines Stück höher auflegen. Der dritte Tag sollte der letzte der Schönwetterperiode sein und wir nehmen die Fähre nach Lyngseidet. Ein bekanntes Skitourenziel ist der Daltinden bei Furuflaten. Die ersten 100 Höhenmeter kann man hier mit dem Auto machen und ist dann auch schon ein Stück weiter in dem langen Tal, das sich bis zum Jiehkkevarri, dem höchsten Gipfel der Lyngen Alps erstreckt. Hier treffen wir zum ersten Mal in der Woche auf andere Tourengeher. Leider hatte der Wetterbericht nicht zu 100 Prozent recht, kurz unter dem Gipfel zog eine hohe Wolkendecke auf, die uns aber nicht weiter beeinflusste. Der Schnee war nicht mehr ganz so gut wie die Tage zuvor, aber immer noch leicht zu fahren und vor allem unverspurt.

Es gibt kein schlechtes Wetter

Am nächsten Vormittag starten wir gemäß dem Standardspruch in Norwegen: "es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung" und fahren mit der Fähre auf die kleine Insel Uløya. Hier braucht man eigentlich kein Auto, aber weil wir nicht wissen wie sich das Wetter entwickelt und wir nicht mit Skischuhen auf der Straße laufen möchten, nehmen wir den Bus mit auf die Insel. Die Tour führt zunächst auf einem Forstweg durch den dichten Wald, danach eröffnen sich riesige, freie Hangflächen. Es gibt mehrere Tourenmöglichkeiten auf der Insel, bis hin zu einer fast kompletten Überschreitung, ein kleines Paradies. Wir lassen es für heute gut sein und drehen kurz untem Gipfel um, der Wind ist einfach zu stark. Daführ werden wir mit komplett unverspurtem fast noch pulvrigem Schnee bis hinunter an die Waldgrenze belohnt. Die Zeit bis uns die Fähre zurück bringt nutzen wir zur Besichtigung der alten Handelsstation und Fischfabrik in Hamnes.

Ausflug an die Westküste

Den nächsten Morgen ist das Wetter noch bescheidener und wir beschließen die Westküste der Lyngenhalbinsel zu besuchen. Leider ist das Wetter hier auch nicht besser, trotzdem sind einige Skitourengeher Richtung Stetinden und auch am Steinfjellet unterwegs. Bei uns ist nach den letzten vier Tourentagen auch ein bisschen die Luft raus. Wir fahren weiter bis Lenangen Nord und genehmigen uns einen Kaffee in dem kleinen Supermarkt am Hafen. Von hier hat man einen guten Blick auf den Storgalten, eines der beliebtesten Tourenziele der Seefahrer. Auf dem Normalweg habe ich schon Karawanen gesehen, die den Bildern am Hillarystep gleichen. Diese Woche ist die Armada schon durch und es ist nichts los am Berg. Also geben wir uns einen Ruck, ziehen die Felle auf und nutzen die Chance. Für den großen Gipfel reicht das Wetter nicht, aber wir erreichen den Gipfel des Lillegalten und haben immerhin knapp 900 Höhenmeter auf unser Konto gebucht. Beim letzten Abendessen geben Jens und Carlos noch mal alles und es wird ein feucht fröhlicher Abend. Der Chef spendiert sogar ein paar Runden auf Kosten des Hauses, kurz vor Mitternacht ziehen wir die Bremse und verziehen uns in die Chalets, denn am nächsten Morgen wollen wir mit der acht Uhr Fähre Richtung Tromsø starten.

Tromsdaltinden, breite Schulter über Tromsø

Noch etwas müde schlürfen wir auf der Fähre unseren dritten Kaffee und wünschten uns, dass die Fahrt noch etwas länger dauern würde. Das Wetter ist deutlich besser als die letzten Tage und es verspricht noch mal ein guter Tag zu werden. Mit dem Neuschnee der letzten Tage sind die Abfahrtsbedingungen bestimmt nicht schlecht. Es gibt nur einfach zu viele Tourenoptionen auf der Strecke nach Tromsø und wir sind noch zu keinem Entschluss gekommen. Mein heimlicher Favorit ist der Tromsdaltinden und obwohl ich schon unzählige Male auf diesem breiten Rücken gestanden bin, zieht es mich immer wieder an diesen Berg. Eines meiner schönsten Erlebnisse in Norwegen hatte ich vor einigen Jahren am 17. Mai. Am späten Nachmittag erreichte ich, nachdem ich vorher die letzte unserer Skitourengruppen am Flughafen verabschiedet hatte den Gipfelsteinmann am Ende des flachen Grates. Schon von weitem konnte ich erkennen, dass ungewöhnlich viele Menchen am Gipfel waren. Natürlich ist man am Hausberg Tromsøs oft nicht alleine, aber das waren echt viele. Kaum hatte ich die Gruppe am Gipfel erreicht, wurde ich sofort von etwas blondgelocktem umarmt und es wurde mir eine kleine Norwegische Fahne in die Hand gedrückt. Ausgelassen feierte eine Gruppe Studenten hier den Nationalfeiertag. Leider war der Empfang dieses Mal etwas weniger spektakulär, jedoch die Aussicht auf "das Paris des Nordes" ist es immer wieder wert diese Tour zu unternehmen. Die Abfahrten, es gibt wirklich x-verschiedene Varianten sind allesamt erste Sahne.

Tromsø by Night

Im Hotel gibt es frische Waffeln mit Sahnequark und Erdbeermarmelade, dann duschen und los geht' s auf Tour durch die City. Es gibt viel zu sehen in Tromsø, leider ist ei Abend fast zu kurz. Nach eine Stippvisite in der nördlichsten Brauerei, gehts zum Abendessen dieses Mal in die Fiskekompaniet. Es gibt zu viele gute Restaurants und man kann wirklich nicht sagen, wo man am besten isst. Reservieren muss man auf jeden Fall ein paar Tage vorher schon, sonst kann es passieren, dass man am Buffet im Hotel kleben bleibt. Wir beschließen die Woche mit einem Besuch in der Kino Bar. In der Szene-Kneipe ist heute Live-Musik angesagt und angesichts der nicht endenden Dämmerung vergessen wir wie spät es eigentlich schon ist. Aber egal, schlafen kann man morgen im Flugzeug.

 

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