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Skitour auf den Jiehkkevarri

König der Lyngen Alps

Wie in jeder Gebirgsgruppe gibt es selbstverständlich auch in den Lyngen Alps einen König. Kong Jiehkkevarri, der höchste Gipfel in der Provinz Troms og Finnmark ragt satte 1.834 m aus dem Nord-Meer oder genauer gesagt zwischen Sør- und Lyngenfjord empor. Nicht ganz zufällig trägt er auch den Titel „Mt. Blanc der Lyngen Alps“, denn ähnlich wie der große Bruder aus den Alpen ist sein Haupt mit einer mächtigen, vergletscherten Kappe überzogen und nicht minder technische Anforderungen warten auf den Skibergsteiger.

Im Unterschied zum Mt. Blanc, der sehr prominent über Chamonix wacht, ist der Jiehkkevarri eher ein scheuer Kamerad und sein Gipfel sticht nicht sofort ins Auge. Das liegt vielleicht auch daran, dass in seiner Umgebung einige weitere, hohe Berge zu finden sind und das flache Gipfelplateau nicht besonders markant in Erscheinung tritt. Irgendwie typisch skandinavisches Understatement, denn rückt man ihm näher auf die Pelle zeigt er seine wahre Größe und es wird offensichtlich, dass es keine wirklich leichten Anstiege gibt.

Der Normalweg über den Holmbuktinden, 1666 m

Die Skitour startet in Indre Holmbukta von dem Parkplatz kurz hinter der Brücke über den Storelva. Nachdem man das obligatorische Gestrüpp hinter sich gelassen hat, folgt man dem zunehmend steiler werdenden alten Gletscherbett. Falls der Plan im Raum steht, über den Blåisen Gletscher abzufahren, empfiehlt es sich ein kleines Fernglas einzupacken. Eine genauere Betrachtung des steilen Gletscherendes kann nicht schaden. Auf einer Höhe von ca. 400 m wendet man sich nach Nordost und es geht steil, meist über hart gefrorene Lawinenkegel Richtung Holmbuktinden. Kurz unterhalb der Schulter erwartet uns eine ca. 40 °steile Rinne und je nach Schneebeschaffenheit müssen die Ski eventuell getragen werden. Noch gute 250 Meter trennen uns von dem ersten Etappenziel. Beeindruckend sind die gewaltigen, nordostseitigen Wächten, also auf keinen Fall die Spur zu weit nach links rauslegen, bei guter Sicht kein Problem.

Vom Gipfel, 1.666 m folgt eine kurze, nicht ganz harmlose Abfahrt über einen vergletscherten Grat mit einigen Spalten und einer weiten Querung nach links. Sobald das Gelände die Möglichkeit bietet geht es rechts hoch auf das Gipfelplateau. Die nächsten 200 Höhenmeter sind nochmals sehr steil und in den Hängen sammelt sich extrem viel Schnee an. Diese Passage ist bei angespannter Lawinenlage mit äußerster Vorsicht zu genießen. Sobald die Höhe des Holbuktinden wieder erreicht ist, sind die Schwierigkeiten vorüber und es geht gemütlich zum höchsten Punkt der Lyngen Alps.

 

Abfahrt über den Blåsen Gletscher

Die Aussicht vom Gipfel ist bei gutem Wetter natürlich phantastisch und nach Beendigung der Fotosession warten 1.800 Meter abwechslungsreiche Abfahrt auf uns. Zunächst muss man etwas anschieben, aber schon bald nimmt das Gefälle zu und wir schwingen in weiten Bögen Richtung Blåisen Gletscher. Wir fahren links der Aufstiegsspur und schweben über weite Hänge Richtung Tal. Aber Vorsicht – nicht zu früh nach unten abdriften und die Einfahrt zum Blåisen verpassen – sonst landet man im Nirvana. Als Orientierung dient der Grat vom Holmbuktinden und der Punkt 1.510 m. In Gletschermitte finden wir den größten spaltenfreien Bereich. Es ist perfektes Skigelände, die Hangneigung hat um die 35 ° und es ist breit genug, dass auch bei einer größeren Gruppe jeder seine eigene Spur fahren kann. Ab ca. 1.200 m verflacht sich das Gelände und es ist entspanntes Crusen bis zur letzten Steilpassage angesagt.

Jetzt wird es noch mal spannend, denn das Gletscherende ist ziemlich steil und es gibt nur einen Durchschlupf. Man hält sich relativ weit rechts und es geht steil entlang einer markanten Felsrippe.  Am Ende der Felsen bietet sich eine weite Querung nach links an, von wo wir über eine ganze Reihe schöner Hänge zu den alten Seitenmoränen abfahren. Das Gletscherende befindet sich im Gefahrenbereich von Lawinen aus der Südwand des Holmbuktinden und man sollte diese Stelle nicht zu spät passieren. Bei wenig Schnee kann es auch blank sein und dann heißt es Steigeisen raus und die ca. 40 ° steile Rinne abklettern (100 Hm). Zum Schluss treffen wir wieder auf unsere Aufstiegsspur vom frühen Morgen und folgen dem Bachverlauf zum Parkplatz.

Erstbefahrung der Jiehkkevarri Südwand

Neben der Normalroute gibt es natürlich noch viele weitere Touren an diesem Berg. Eine der großartigsten Überschreitungen in den Lyngen Alps ist die Route vom Gipfel des Jiehkkevarri weiter über den Kveita mit anschließender Abfahrt über den Fugldalsbreen bis nach Forneset am Kjosenfjord. Dazu braucht man aber zwei Fahrzeuge.

Einen besonderen Coup landeten zwei Alpinisten aus Tromsø letztes Frühjahr. Ende April kletterten der Bergführer Finn Kristoffer Hovem mit einem Kameraden durch die 1.100 Meter hohe Südwand des Jiehkkevarri. Im Anschluss fuhren die beiden die komplette Route mit Ski ab. Die Flanke wird auch als arktische Brenvaflanke bezeichnet und die Erstbefahrer gaben die Steilheit mit bis zu 55 ° an.

Traditionell wird am 01. Mai von vielen Einheimischen eine Skitour auf den Jiehkkevarri unternommen und das ist sicherlich ein gut gewählter Zeitpunkt. Sollte jemand Lust bekommen haben den Lyngen Alps aufs Dach zu steigen, wir bieten die Tour von unserem Skitouren Camp in Djupvik aus an.

 

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