Klettern Tannheimer Berge im Allgäu | Gimpel Südvorbau
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Klettern in den Tannheimer Bergen

„Miss Nesselwängle 8-/8“

Von Ralph Eggart

In den Tannheimer Bergen habe ich im jungendlichen Alter von 16 Jahren das alpine Klettern für mich entdeckt. Damals waren die finanziellen Mittel begrenzt und wenn das Geld für Ausflüge in die Dolomiten, nach Chamonix oder Arco nicht reichte, machten wir in den Sommerferien die heimischen Berge unsicher und kletterten alles in den "Tannheimern" was uns in die Finger kam.

Übernachtet wurde im eigenen DAV-Jungmannschaftsraum der Tannheimer Hütte, die zu dieser Zeit noch keine eigene Materialseilbahn hatte. Wir verdienten uns das Abendessen indem wir täglich nach dem Klettern Essensvorräte, Bierkästen und sogar einen Küchenofen vom Gimpelhaus zur Hütte schleppten.

Für alpine Mehrseillängentouren sind die Tannheimer Berge auch heute noch eines beliebtesten Kletter-Gebiete in den Allgäuer Alpen und außerdem sind sie sehr gut zu erreichen, vor allem wenn man etwas weiter nördlich der Alpen zu Hause ist.

Mich zieht es auch nach vielen Jahren immer noch regelmäßig in die Südwände von Gimpel, Roter Flüh und Hochwiesler. Letztes Wochenende haben wir uns für die etwas anspruchsvollere Plaisir-Route  „Miss Nesselwängle“ an der Zwerchwand entschieden. Der kurze Einstiegsüberhang sieht gleich ganz schön schwer aus, lässt sich aber leichter bewältigen als es der erste Eindruck vermuten lässt. Danach folgt schöne und homogene Kletterei, meist  im oberen 6.Grad.

Technisch gesehen fordert die Tour schon etwas Erfahrung und vor allem ein gutes Auge. Da leider nicht jeder Griff „bombenfest“ ist, muss man ab und zu schon genauer hinschauen, um eine feste Lösung zu finden.

Die Schlüsselstelle im 8. Grad ist laut Beschreibung im Topo zwar durch technische Kletterei zu entschärfen und das Gelände ist anschließend leichter, darf aber nicht unterschätzt werden. In dieser Seillänge muss man die Hände aus der Hosentasche nehmen.

Am Ausstieg hat man einen tollen Ausblick vom Alpenvorland bis zur Zugspitze und ein bequemer Wiesenhang führt zur Abseilpiste. Vorsicht im Frühjahr wenn auf der Nordseite noch Schnee liegt! Nach 5-maligem Abseilen sind wir wieder an unserem Rucksackdepot mit dem Wasservorrat und unseren bequemen Schuhen, immer wieder eine Wohltat.

Zum Abschluss darf die Einkehr auf der Terrasse des Gimpelhaus mit  (alkoholfreiem) Weissbier und der leckeren Kaspressknödelsuppe natürlich nicht fehlen bevor wir im Sonnenuntergang ins Tal absteigen.

Unser Fazit: eine lohnende Tour mit perfekter Absicherung und zusammen mit der „Kuschelrock“ am Gimpel Vorbau, die uns (noch) besser gefallen hat, eine der besten in den Tannheimern in dieser Liga.

Möchtest Du selbst ins Alpine Klettern einsteigen oder Dein Können verbessern, hier geht's zum Kurs: Kletterkurs Alpin Tannheimer Berge

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