Reiseberichte

Skitouren auf den Lofoten

Endlich war es soweit. Nach einer langen Skitourensaison in den Alpen naht der Aufbruch in das Reich der Wikinger und der Mitternachtssonne.
Neben dem Landschafts- und Naturerlebnis ist ein Argument das für Skitouren im Norden Norwegens spricht die Reisezeit. Anfang Mai ist die Skisaison bei uns ziemlich gelaufen und es ist eine gute Möglichkeit den Winter noch etwas zu verlängern.

Auf zum letzten bewohnten Punkt

Die Lofoten sind am besten per Flugzeug über Oslo nach Evenes zu erreichen. Eigentlich nennt sich der Flughafen Harstad/Narvik und liegt mitten in der Walachei. Schon vom Flugzeug aus ist die markante, schneebedeckte Inselgruppe im Nordmeer deutlich zu erkennen.
Unsere Truppe besteht aus 10 Teilnehmern, plus 2 Guides, einer davon war ich.
Der Empfang am Boden ist stürmisch, manche würden behaupten etwas sehr ungemütlich. Trotzdem verbreitet Stefan, unser 2. Guide wie immer beste Laune und Optimismus. In strömendem Regen fahren wir mit unseren beiden Leihfahrzeugen Richtung Å.
R
ichtig gelesen, der Ort heißt wie ein trocken ausgesprochenes „O“ und ist der letzte bewohnte Punkt an der Spitze der bananenförmigen Inselgruppe. Wir beziehen unser Quartier in Svolær, der kleine Metropole auf der Insel Austvågøya und das Verwaltungszentrum der Provinz Nordland.
Drei urgemütliche Fischerhütten, die teilweise auf Pfählen direkt im Hafenbecken stehen sind unser zu Hause für die nächsten 4 Tage.

Skitouren_Norwegen_Lofoten_Aufstieg-zum-Trolltindan-1084 m
Skitouren_Norwegen_Lofoten_Geitgaljen_Abfahrtsroute.jpg

Schneequalität: absolut grandios 

Die neue Umgebung bietet sagenhafte Fotomotive. Abgewrackte Fischerei-Hallen, alte Werftanlagen und eine Fischfabrik stehen im Gegensatz zu unseren frisch gestrichenen roten Fischerhütten. Im Zentrum von Svolvær befinden sich ein paar Hotels, Restaurants, Kneipen ein gut sortiertes Sportgeschäft sowie ein großer Supermarkt.
Inzwischen hat sich der Himmel zum Glück etwas beruhigt und wir starten sogleich zu unserer ersten Spätnachmittagsskitour.
Ein nahegelegener Berg hinter der Ortschaft muss herhalten und nach gut 500 Metern ist die Spitze erreicht. Schneequalität: Der Hammer! Die oberflächlich etwas feuchte Schneedecke erinnert an heimische Firnabfahrten und das zu einer Uhrzeit wo wir zu Hause wahrscheinlich tiefen Sumpfschnee gehabt hätten. Das hebt die anfangs verhaltene Stimmung in den oberen grünen Bereich und bei der Zubereitung des Abendessens zischt schon das Arctic Bier aus der Dose.

Wechselhaftes Wetter und Sonnenschein

Das Wetter ändert sich heute mal wieder stündlich - Sonne, Wind, Regen, ab 200 m Schnee. Heute haben wir die Kombination zweier Anstiege geplant, den Torksmannen und den Rundfjellet, die Gipfelhöhen betragen ca. 800 m. Nach der Querung einiger Bachläufe und einer Spitzkehrenparade durch einen steilen Vegetationsstreifen erreichen wir ideales Skigelände. Am Ende des Tages kommen fast 1300 Abfahrtsmeter zusammen. Ein gelungener Einstand trotz der hohen Luftfeuchtigkeit und einer kleinen Fjordwanderung am Ende der Tour.

Am nächsten Morgen erwachen wir bei Kaiserwetter. Überwältigt von der klaren Sicht und dem Panorama ist das Tagesziel schnell gefunden. Der Geitgaljern, einer der anspruchsvolleren Skigipfeln auf den Lofoten und ganz in unserer Nähe
Als wir ein paar Stunden später aus 1.000 m Höhe aufs Meer hinab schauen sind wir überwältigt. Die Abfahrt führt uns direkt hinunter bis ans Wasser!

Wasser Meer rote Haeuser Berge Schnee blauer Himmel
Dreiergruppe im Aufstieg auf den Lofoten
Skitourengruppe auf einem Gipfel auf den Lofoten
SkiWasser Meer Skifahrer Berge Schnee
Skitouren_Norwegen_Lofoten_Trolldianstinden.jpg
Steilrinne Skitouren um Narvik

Mit dem Schnellboot in den Trollfjord

Am nächsten Morgen geht es mit dem Schnellboot in den Trollfjord und auf den Trolldanstinden. Unberührtes Gelände erwartet uns und wir spuren einsam zum Gipfel. Mit dieser Traumtour verabschieden wir uns von den Lofoten und wenden uns einer weiteren Region zu. Das nächste Ziel heißt Narvik.

Auf dem Weg nehmen wir noch die schöne Südflanke des Pilan mit. Der Ausgangspunkt für die Tour liegt direkt an unserer Reiseroute.
Die Stadt Narvik ist mit ihrem großen Erzverladehafen und ihrer bewegten Vergangenheit unbedingt einen Abstecher wert.  Das Skigebiet am Narvikfjellet zählt zu den besten Freeridespots im hohen Norden. Wir haben jedoch zunächst einen anderen Plan.
Vom Ende des nahegelegenen Beisfjords führt eine Mautstrasse bis an einen einsamen See. Ein 3 bis 4 stündiger Aufstieg bringt uns auf den Gipfel des Mattaeoru und zum Einstieg einer fast 1000 m hohen Felsrinne die ans Canale Holzer in den Dolomiten erinnert. Überhaupt weist dieser Gebirgszug einige geschichtliche Parallelen mit den Dolomiten auf.

Fazit: nächstes Jahr wieder. Und dann jedes Jahr.

Für den letzten Tag haben wir ein paar Freeride Abfahrten mit kurzen Aufstiegen im Skigebiet geplant. Leider ist unser Schönwetterbonus aufgebraucht und so vertreiben wir uns die Zeit mit einer Fahrt nach Riksgränsen. Die historische Bahnlinie zählt laut Reiseführer zu den landschaftlich schönsten Strecken Skandinaviens. Nach dem doch recht intensiven Programm der letzten Tage ist es ein wirklich entspannter Abschluß dieser erlebnisreichen Reise. Am nächsten Morgen geht’s zurück in die Heimat.

D. Groeger